| Die Geschwindigkeit der
Bilder in China ist der unseren sehr ähnlich - ein Gespräch über
Video und neue Medien in der VR China
Inke Arns <inke@berlin.snafu.de> [Dieses Interview erschien in gekürzter Fassung unter dem Titel ‘Ping Pong. Videokunst in der VR China’ in: Elektro. Medienbeilage im Freitag, Nr. 7, 8. Mai 1998] - English translation to follow soon - Ein Highlight des diesjährigen Festivals transmediale im Podewil war sicherlich der Programmschwerpunkt „Videokunst aus der Volksrepublik China". Präsentiert wurde eine Auswahl von Kunstvideos, die durchaus auch im Hauptprogramm der transmediale ihren Platz hätten finden können. Die Videoarbeiten, die alle 1997 entstanden sind, verfolgen sehr unterschied- liche Strategien: einige haben eher dokumentarischen Charakter, z.B. das Video Ping Pong von Qiu Zhijie (30 min.), das sich durch die inhaltliche Beschäftigung mit dem chinesischen Nationalsport Tischtennis mit der gezielten Fabrikation nationaler Mythen und des nationalen Gedächtnisses auseinandersetzt. Andere, wie z.B. das Video Game von Zhao Liang (7 min.), zeichneten sich durch Überraschungseffekte aus: was zunächst wie ein entferntes, sich innig umarmendes Liebespaar aussieht, wird nach Annäherung und Scharfstellen der Kamera zu einem Horrorszenario: der Revolver des Mannes ist auf das Gesicht der Frau gerichtet. Die Arbeiten des Videokünstlers Wu Ersan wiederum zeugen eher von einer Affinität zum experimentellen Film; seine recht poetische Arbeit Connection (5 min.) zeigt die in rasendem Tempo übereinandergelegten Bilder eines sich an- bzw. ausziehenden Mannes und einer sich aus- bzw. anziehenden Frau; während das nicht minder poetische Link (2 min.) eher die Ästhetik eines Musikclips von MTV aufzugreifen scheint. Das nachfolgende Gespräch
mit dem chinesischen Videokünstler Qiu Zhijie (Hangzhou) und dem Berliner
Künstler und Kurator Andreas Schmid wurde Ende Februar während
der transmediale aufgezeichnet. Der heute 28-jährige Qiu Zhijie organisierte
1996 zusammen mit der Kunstkritikerin Wu MeiChun in Hangzhou die erste
Videokunstausstellung in der VR China. Andreas Schmid, Spezialist für
zeitgenössische chinesische Kunst, kuratierte im letzten Jahr die
Ausstellung Zeitgenössische Fotokunst aus der VR China im Neuen Berliner
Kunstverein (weitere Daten und Orte siehe unten). Von seiner letzten Recherche
in China hatte er auch Videotapes chinesischer Künstler mitgebracht,
die vor einigen Monaten im Videoforum des Neuen Berliner Kunstvereins vorgestellt
wurden und von dort aus ihren Weg zur diesjährigen transmediale fanden.
Inke Arns: Qiu Zhijie, Du sagtest während der Präsentation bei der transmediale im Podewil, daß Videokünstler in China eher mit Videoinstallationen arbeiten, als Videos, bzw. eigenständige Videotapes zu machen. Was ist der Grund dafür? Ich finde das recht ungewöhnlich. In Europa und den USA ist es doch eher umgekehrt gewesen, d.h. daß Künstlerinnen und Künstler zunächst mit Video gearbeitet hat- d.h. Videotapes gemacht haben -, und später dann das Medium Video auch in raumgreifenden Installationen verwendet haben. Qiu Zhijie: Das hat etwas mit der zeitlichen Entwicklung zu tun. Chinesische Künstler haben zuerst gesehen, daß es Videoinstallationen gibt. Ein anderer Grund ist der, daß die chinesischen Künstler eigentlich auch von der Installation, also der räumlichen Arbeit, herkommen. Erst dann kommt das Video als eigenständiges künstlerisches Medium. Installationen sind auch wichtiger in China. Es gibt immer die Möglichkeit, eine Galerie oder einen anderen Raum zu finden, oder in einer großen Ausstellung, einer sogenannten ‘Avantgarde-Ausstellung’ seine Videoinstallationen unterzubringen. Wenn man ‘nur’ mit Video arbeitet (also ‘nur’ Videobänder macht), dann hat man in China keine Chance, seine Arbeiten zu zeigen. Es gibt einfach keine Möglichkeiten. Es ist unmöglich, Videoarbeiten im Fernsehen zu zeigen, geschweige denn mit dem Fernsehen zusammenzuarbeiten, und es gibt keine Videofestivals, auf denen man seine Videokunst zeigen und die Arbeiten anderer Videokünstler sehen könnte. IA:
Da es also in China keine ‘Medienszene’ gibt, müssen die Videokünstlerinnen
und -künstler auf das ‘traditionelle’ Medium ‘Kunst’ ausweichen, d.h.
der Austausch funktioniert über das Medium der eher traditionellen
Kunstausstellung. Eine - zumindest für hiesige Verhältnisse -
sehr ungewöhnliche Situation, wie ich finde.
Andreas Schmid: Nein, seit 1988. Das war aber wirklich ein einzelner Künstler, der - aus der bildenden Kunst, bzw. der Malerei kommend - angefangen hat, mit Video zu experimentieren. Sozusagen ein forerunner für die anderen. Zhang Peili hat damals begonnen, seine Malerei mit Video zu kombinieren. Er hat dann auch einige eigenständige Videos gemacht, die dann ziemlich schnell bekannt geworden sind, auch wenn sie später nicht mehr gezeigt werden durften. QZ: Zhang Peili arbeitet vor allem mit der Verlängerung von Zeit. Und dann gab es noch ein paar gesellschaftspolitische Videos - die auch so aufgefaßt wurden und nicht öffentlich gezeigt werden durften - aber sehr berühmt geworden sind! IA: Wenn ich das richtig verstehe, dann kommt Video also mehr aus dem Kunstkontext und nicht, wie man das z.B. von einem Teil der Videokünstlerinnen und -künstler aus Europa oder den USA kennt, aus der Ecke des politischen Aktivismus, bzw. wird nicht im Sinne ‘alternativer’ Medien benutzt. QZ: Völlig richtig; das chinesische Video kommt vor allem von der Kunst her. Als ich mein Video Ping Pong gedreht und gezeigt habe, haben die anderen Künstler mich dafür sehr kritisiert, weil es ihnen viel zu politisch war - das könne man so nicht bringen. Meine Freundin, die Kunstkritikerin Wu MeiChun ist Kuratorin für Videokunst und sie hat im Vorwort zu unserem Katalog Demonstration of Video Art ’97 China (1997) geschrieben, daß ‘die Frage, die uns im Moment beschäftigt, nicht lautet, was Videokunst ist, sondern herauszufinden, wie wir das Medium benutzen können, d.h. uns mit den vielen verschiedenen unterschiedlichen Arten, mit Video zu arbeiten, auseinanderzusetzen’. Es ist zwar gut, daß man die Kunst hat, es sollte aber auch nicht die einzige Möglichkeit bleiben. Man muß auch versuchen, mit anderen Formen zu arbeiten, z.B mehr im Dokumentarischen. Das habe ich z.B. in meinem Video Ping Pong versucht. Auf der einen Seite ist da die Faszination dieses chinesischen Nationalssportes, auf der anderen Seite hat sich das Verhältnis zu diesem Sport geändert. Es ist nicht mehr so wie früher. Ich wollte herausbekommen, was der Grund für diese Veränderung war. Es ist ja nicht nur die Manipulation, die mit diesem Sport getrieben worden ist, sondern auch die Tatsache, daß die meisten wirklich daran hängen. Ich war im September in Berlin und habe mir sehr viele Videoarbeiten angeschaut, sowohl im Archiv des Videoforums des NBK als auch jetzt hier auf der transmediale, jeden Tag bis nachts um 1 Uhr, und soweit ich die westliche Videokunst inzwischen beurteilen kann, machen die Chinesen das doch ganz anders. Hier wird doch viel aus politischen Gründen gemacht, also auf die Straße hinaus, auf Demonstrationen. In China kommt es aber immer aus dem Kunstkontext und es wird für den Kunstraum gearbeitet. Ich opponiere da ein bißchen gegen, denn ich meine, daß Video gerade auch deshalb spannend ist, weil man es auch anders verwenden kann - also nicht unbedingt, um eine Videoinstallation draus zu machen. Das mache ich zwar auch gerne, aber ich möchte doch auch die verschiedenen Funktionen von Video ausprobieren. IA: Gibt es bestimmte Richtungen in der Videokunst in China bzw. wie sehen diese verschiedenen Ausrichtungen in der Videokunst aus? QZ: Es gibt z.B. eine ‘internationale’ Richtung [Qiu Zhije benutzt den Begriff ‘international’ hier recht abfällig] - ich meine damit Künstler, die Tapes machen, die etwas von einem internationalen Kontext haben, die sehr glatt und sehr lang sind, also Tapes von der Sorte, die ich auch aus Europa und den USA kenne. Da habe ich wirklich Probleme mit, mit zu glatten Videos. Nach außen hin sehr konzeptuell, aber nach innen ein bißchen hohl - um mich einmal wertend auszudrücken. Wenn der westliche Einfluß zu groß wird, oder wenn man zuviel davon übernimmt, weil man denkt, da im Westen wird das halt so gemacht, dann kommt so etwas heraus. Deswegen gebrauche ich den Ausdruck ‘internationales’ Video. Das würde ich als falsch verstandenen Einfluß bezeichnen. Viele chinesische Künstler glauben, daß Video jetzt die neueste Sache im Westen ist, aber die Arbeit mit Video begann dort ja eigentlich schon in den 70er Jahren. Das ist keine aktuelle Sache. Neben diesem ‘internationalen’ Video gibt es eine Richtung, die sich mit Körpererfahrung beschäftigt. Diese ebenfalls aus dem Kunstkontext stammende Richtung gibt es seit 1993 und sie ist sehr wichtig. Sowohl für Künstlerinnen als auch für Künstler ist dies ein wirklich wichtiges Thema. Das ist wirklich angesagt, nicht weil es jetzt gerade fashionable ist, sondern, na, ich würde es fast als ein Bedürfnis bezeichnen. Das hat eine bestimmte Stärke, die man mit Fotografie, also mit stillstehenden Bildern, garnicht mehr erfassen kann. Das hat mit dem Moment zu tun, mit dem Raum und dem Körpergefühl. Dann gibt es auch Videokünstler,
die eher vom Film herkommen, z.B. Wu Ersan, dessen Videos Link (2 min.)
und Connection (5 min.) wir während der Präsentation gesehen
haben. Quereinsteiger, die vom Film oder auch von der Architektur herkommen
haben eine ganz andere Sichtweise als die, die aus der bildenden Kunst
kommen. Eine ganz andere Ästhetik, ein ganz anderer Rhythmus - bei
Wu Ersan sind Rhythmus und Ton klasse.
Kulturelle Aspekte IA: Wenn hier in Europa über andere Kulturen geredet wird, kann man meist zwei Dinge feststellen: Erstens, eine Art ungebrochenen ‘Orientalismus’, d.h. die Meinung, daß China noch völlig unbeeinflußt vom Westen sei und daß „gerade der weitgehend fehlende westliche Einfluß" eine „Originalität" (Katalogtext transmediale) der chinesischen Videokunst bewirke. QZ: Das stimmt absolut nicht. Wir sind natürlich durch die ‘westliche Dusche’ gegangen [lacht]. Ganz notwendigerweise! Das war für die chinesischen Videokünstler auch eine ganz wichtige Auseinandersetzung. IA: Der zweite Punkt, den ich kritisch hinterfragen möchte - neben der unhaltbaren These der ‘Unberührtheit’ der Kultur - ist die These von der linearen Entwicklung zeitgenössischer Kunst; die These von der Linearität jeglicher kultureller Entwicklung, die ja im Podewil während des Interviews auch angeklungen ist. Da hört man dann: ‘Die chinesische Videokunst ist heute an einem Punkt, an dem wir in den siebziger Jahren waren...’ diese Haltung begegnet mir immer wieder, auch in Bezug auf Kunst aus Osteuropa, und ich halte sie für sehr unproduktiv. AS: Es ist so, als wolle man die Ungleichzeitigkeit vergleichen. Es stimmt, es wird oft gesagt, daß z.B. heute Künstler in Rumänien oder China Kunst machen, die hier in den 60er / 70er Jahren passiert ist... das stimmt einfach nicht. Diese Haltung ist uns bei der Ausstellung China Avantgarde (Haus der Kulturen der Welt, 1993) und auch bei Zeitgenössische Fotokunst aus der VR China (Neuer Berliner Kunstverein, 1997, und andere Orte, s.u.) immer wieder begegnet. Es wurde z.B. in einem Artikel kritisiert, daß ich in der Fotokunst-Ausstellung nicht die Arbeiten der chinesischen Künstler mit westlichen Arbeiten vergleiche, d.h. daß ich nicht die westliche Diskussion innerhalb der künstlerischen Fotografie in den chinesischen Kontext hineintrage... das halte ich einfach für unangemessen. Die chinesischen Künstler arbeiten in ihrer Zeit - was natürlich nicht heißt, dass sie völlig unbeeinflußt von äußeren Einflüssen sind. Aber sie machen auch ganz eigene Sachen. Immer wird gefordert, daß die Dinge miteinander verglichen werden müssen. Wenn man schon vergleichen will, dann sollte man die chinesischen Künstler untereinander vergleichen, und sie in dem Kontext sehen, in dem sie arbeiten. Das wäre doch viel produktiver. QZ: Im Westen ist in den 60er Jahren relativ viel politisch gearbeitet worden, mit gesellschaftlichen Ansprüchen. Hinterher wurde über das Medium Video an sich viel mehr reflektiert. Und in den 90er Jahren hat es sich total aufgesplittet; sehr komplexe Vorgehensweisen sind entstanden, die man garnicht mehr unter einer Richtung oder Bezeichnung zusammenfassen kann. Das ist meine Sicht auf die westliche Videokunst, soweit ich sie kenne. Wichtig für das Verständnis der chinesischen Videokunst ist nun, daß diese drei Entwicklungsphasen sozusagen alle auf einmal hereinbrechen. Die Künstlerinnen und Künstler nehmen natürlich die verschiedenen Phasen unterschiedlich intensiv auf, und dann kommen diese drei Zeiten (oder noch mehr) plötzlich zusammen. Man könnte sagen, daß die chinesische Videokunst alle historischen Phasen der Videokunst gleichzeitig verarbeitet. In China werden Nam June Paik, Wolf Vostell, Bruce Nauman, Bill Viola und Tony Oursler alle auf der gleichen Ebene rezipiert - Tony Oursler finde ich übrigens großartig; vor allem die Installation, die er 1997 zusammen mit Mike Kelly auf der documenta X gemacht hat... [lacht] Nein, ernsthaft: diese verschiedenen Generationen von Videokünstlern werden alle gleichzeitig und gleich stark rezipiert, und es kann vorkommen, daß ein sehr junger Künstler etwas ähnliches macht wie Nam June Paik, und ein älterer sich dagegen an Tony Oursler orientiert. Also eine sehr komplizierte Situation. Deswegen ist die Rede von einer ‘unberührten Kultur’ wirklich Unsinn. Gerade die bewußte Auseinandersetzung mit der westlichen Kunst ist das Interessante an der zeitgenössischen chinesischen (Video-)Kunst! AS: Die zeitgenössische chinesische Kunst setzt sich seit Mitte der 80er Jahre ganz bewußt sowohl mit der westlichen Kunst auseinander, als auch mit der eigenen chinesischen Tradition, mit der Kulturrevolution (vgl. z.B. die Arbeiten von Wu Shan Zhuan / Red Humor International), oder mit der Sprache... Sie tut das in dem Bewußtsein, daß die traditionelle chinesische Kunst heute ihre Rolle nur noch in Teilen erfüllt. Es geht vor allem um eine Kombination von westlichen und traditionellen Elementen. QZ:
Deshalb arbeite ich auch mit Video. Bestimmte Dinge - z.B. die
Schnelligkeit der Zeit - kann ich nicht mehr in ‘stillstehenden’ Bildern
erfassen. Ich produzierte zwar auch Bilder, aber sie dienen ganz anderen
Zwecken. Ich benutze immer das Medium, was mir gerade am sinnvollsten erscheint
hinsichtlich der Aussage, hinsichtlich des Themas...
Technologie: leihweise verfügbar IA: Wie sieht es denn mit der Verfügbarkeit von Technologie aus? QZ: Ich muß die Geräte, die ich brauche, immer ausleihen. Manche Leute besitzen eine Videokamera, einen Videorekorder, aber die meisten eben nicht und es wird immer ausgeliehen. Ich habe 1997 z.B. ein Video (Object, 18 min.) an vier verschiedenen Orten gedreht, und das habe ich mit vier verschiedenen geliehenen Hi8- und S-VHS Kameras aufgenommen. IA: Seit wann war es denn überhaupt möglich, an diese consumer- Technologie heranzukommen? QZ: Seit 1990 / 91 gibt es diese Kameras in Geschäften zu kaufen. Damals waren sie aber noch wahnsinnig teuer. Mittlerweile sind sie aber billiger geworden, und man kann sich inzwischen auch aus dem Ausland etwas mitbringen [Qiu Zhijie öffnet seine Plastiktüte, die ca. dreißig leere VHS Videokassetten enthält]. IA: Ich frage das deswegen, weil ich in den letzten Jahren viel mit Künstlerinnen und Künstlern aus Osteuropa zu tun hatte und die Situation bzgl. Verfügbarkeit von Technologie so unterschiedlich war. Es gab z.B. in der DDR keine Kopierer... QZ: Also das war in China ganz anders, denn es gab immer Kontakte zu Japan... [schüttelt ungläubig den Kopf] IA: Es gab in der DDR ein ganz restriktives Verbot von ‘kleinen Medien’; dagegen war die Situation in Ländern wie Jugoslawien eine ganz andere... QZ: Der furchtbarste Druck ist im Moment nicht der politische, sondern der wirtschaftliche. In den 80er Jahren war es der politische, heute ist es vor allem der wirtschaftliche Druck. Aber über diesen wirtschaftlichen Druck wird natürlich auch politischer Druck ausgeübt. Es gibt natürlich auch noch Einzelfälle, in denen Künstler unter direktem Druck der Regierung bzw. der Geheimpolizei stehen. IA: Qiu Zhijie, Du erwähntest vorhin, daß man als Videokünstler in China nicht so sehr der Kontrolle politischer Instanzen unterliegt, sondern vielmehr die traditionell arbeitenden Künstlerkollegen aus dem Verband Bildender Künstler fürchten muß. QZ: Produzieren können wir relativ frei. Freiheit bezieht sich auf das, was man machen kann; das ist relativ freigestellt... solange man nicht nackt durch die Straße läuft... IA: Also das, was man machen kann ist etwas anderes als das, was man zeigen kann. QZ:
Man kann das sogar zeigen. Nur hat man dann eventuell das Problem,
daß es Protest gibt. Aber das ist auch von den Orten abhängig:
An manchen Orten kann man bestimmte Sachen zeigen, die an anderen Orten
ganz unmöglich wären... das ist im Moment so durcheinander -
es ist ein ziemlich chaotisch im Moment.
Internet in China IA: Eine abschließende Frage: Arbeitest Du mit dem Internet? QZ: Ich habe selber keinen Internet-Zugang. Aber ich habe einen Freund, bei dem ich e-mail lesen bzw. versenden und auch im Internet surfen kann. In China ist das Interesse am Internet ist in der letzten Zeit enorm gestiegen; vor allem in Peking haben unglaublich viele Leute Internet-Zugang. Im Moment ist es wahnsinnig in, ins Internet zu gehen. Es gibt auch sehr viele spannende Artikel im Internet. Die können dort veröffentlicht werden, weil man sie ja nicht namentlich kennzeichnen muß. Wenn diese Leute von der Regierung geschnappt würden, würden sie für die Veröffentlichung dieser Artikel die Todesstrafe riskieren. Es geht in diesen Artikeln unter anderem darum, wieviele Leute in China gefangen, wieviele gestorben sind. Auch geht es in diesen Texten um die Geschichte Chinas, da ist dann z.B. die Rede davon, wieviele Leute zur Zeit des Großen Sprunges verhungert sind... das sind Informationen, über die eigentlich garnicht gesprochen werden darf. Es ist sehr spannend. IA: Das Internet ermöglicht ja gerade den Zugang zu solchen Informationen. Man hört hier immer wieder, daß Internet-Zugänge in China sehr beschränkt sind, gerade wegen dieser unbegrenzten Informationsmöglichkeiten. QZ:
Der Zugang ist relativ teuer. Sowohl die Telefongebühren
als auch die Kosten für das Internet. Ich habe auch gehört, daß
die Regierung den Zugang zum Internet einschränken und stärker
kontrollieren will. Es gibt mittlerweile sehr viele Zeitschriften, die
sich mit dem Internet beschäftigen. Es ist wirklich wahnsinnig: alles
das, was z.B. in den USA entwickelt wird, liegt eine Woche später
in Peking. Es gibt in Peking einen ganzen Bezirk, wo man alles denkbare
Computerzubehör bekommen kann, Raupkopien, Klone .... unglaublich
... allerdings nichts für den Mac, sondern alles nur für den
PC. Ein Besuch in Bejing lohnt sich wirklich!
Übersetzung: Andreas
Schmid
Die von Andreas Schmid kuratierte
Ausstellung „Zeitgenössische Fotokunst aus der VR China" ist bis zum
8. März 1998 in den Städtischen Kunstsammlungen Chemnitz, und
vom 15. März bis 19. April 1998 in der Kunsthalle Darmstadt zu sehen.
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